Atheris hispida

(Lauert, 1955)
 
 

 

 
 
 
 
 
Der Name hispida wird aus dem lateinischen hispidus (borstigen) abgeleitet. Atheris hispida ist eine kleine bis mittelgroße, sehr schlanke Buschviper, die normalerweise unter 60 cm lang wird. In Ausnahmefällen kann sie aber auch 70 cm erreichen. Die auffallend vom Körper abstehenden Schuppen verleihen ihr ein buschiges Aussehen und machen sie mit anderen Atheris-Arten unverwechselbar (SPAWLS & BRANCH 1995). Ihre Heimat sind Gebirgsregenwälder im Nordosten der Republik Kongo, im Südwesten Ugandas, im Nordwesten Tansanias sowie im westlichen Kenia (Karte 1). Sie kommt dort in Höhen zwischen 800 und 1900 m vor. Bemerkenswert in diesem relativ großen Verbreitungsgebiet ist ihr dort nur inselartiges Vorkommen. Sie scheint also nur spezifische Lebensräume nutzen zu können (BROADLEY 1998). Atheris hispida lebt in zwei bis drei Meter hohen Büschen und Bäumen, die sie nachts verlässt, um am Boden auf Futtersuche zu gehen.
 
 
 
Nahrung:
Das Nahrungsspektrum soll angeblich aus kleinen Säugetieren und Fröschen bestehen (SPAWLS & BRANCH 1995). Auch TRUTNAU (1998) gibt als Futter Mäuse und Frösche an, des weiteren sollen angeblich nach diesem Autor auch noch Eidechsen und kleine Vögel gefressen werden. Atheris hispida lässt nach dem Biss die Beute nicht los, sondern hält sie angeblich, bis sie tot ist, zwischen den Kiefern fest. Über einen tatsächlichen Futternachweis bei frei lebenden Tieren berichtet nur PITMAN (1974). Hier wurde im Magen eines Tieres eine Schnecke gefunden. Bei MEIDINGER (2000) fraßen Atheris hispida zwar nackte Mäuse, aber erst nachdem sie zu einem Abwehrbiss gezwungen worden waren. Selbstständig und ohne ein Zubeißen zu provozieren, haben Wildfänge dieser Art nie Mäuse gefressen. Auch Frösche und Geckos wurden als Futter verschmäht. Der selbe Autor beschreibt noch ein eigenartiges Fressverhalten dieser Schlange. Seine Tiere haben niemals nach dem Zubeißen die Beute erst für einen Moment festgehalten und dann langsam mit dem Verschlingen begonnen. Vielmehr haben sie unmittelbar nach dem Biss die Maus auffallend schnell abgeschluckt. Er schließt daraus, dass Mäuse nicht zum normalen Futterspektrum von Atheris hispida gehören. Nur seine Nachzuchttiere haben, nachdem diese zunächst an Mäuseteile und dann an ganze nackte Mäuse gewöhnt waren, diese auch freiwillig gefressen. Das eigenartig schnelle Schlingverhalten der Elterntiere haben aber auch die Nachzuchttiere beibehalten.
 

Haltung der Tiere:
Im Laufe des Jahres 2001 konnte ich sieben Atheris hispida, die nur sehr selten importiert werden, erwerben (Abb. l und 2). Gepflegt wurden und werden die Tiere in gut belüfteten 60x60x60 cm (LxHxB) Glasterrarien. Eine gute Belüftung der Becken ist meines Erachtens unabdingbar, da bei anderen Atheris-Arten z.B. Atheris squamigera in schlecht belüfteten Terrarien Atemwegserkrankungen auftraten. Solche Tiere begannen nach kurzer Zeit der Haltung, in diesen Behältern die Kehle zu blähen. Schlangen, die diese Symptome zeigten, verstarben dann auch wenige Wochen später. Die Einrichtung der Terrarien besteht lediglich aus mehreren gut einsehbaren Kletterästen und einem Bodengrund aus Sand. So kann ohne Probleme mit einem Löffel der anfallende Kot der Tiere entfernt werden.

Im Behälter befindet sich des weiteren ein 50-W-Halogenspotstrahler. Dieser ist circa 20 cm von den Ästen entfernt montiert. Die Tiere haben sich so bei ihren tagsüber sehr seltenen Kletteraktionen noch nie an der Lampe verbrannt. Die Umgebungstemperatur im Terrarium schwankt tagsüber zwischen 20 und 25 °C. Nachts sinkt diese auf deutlich unter 20 °C, bei entsprechender Witterung auch bis auf unter 15 °C ab. Die lokale Wärme des Spotstrahlers wird stundenweise genutzt, wobei die Temperatur dann an diesen Aufenthaltsplätzen etwa 27 °C beträgt. Auf dem Bodengrund steht eine große Wasserschale. Fast jeden Abend nach Abschalten der Beleuchtung wird die Einrichtung des Terrariums mit Wasser besprüht. So entsteht über viele Stunden eine hohe Luftfeuchtigkeit. Tagsüber trocknen die Behälter dann wieder völlig ab. 
 
 
Verhalten und Fütterung der Tiere:
Athens hispida ist nachtaktiv. Die Schlangen verlassen bei Hunger ihren tagsüber aufgesuchten Ruheplatz. Dieser befindet sich immer auf den Zweigen hoch oben im Terrarium. Die Schlangen kriechen bei Einbruch der Dämmerung oft stundenlang, auch bei Temperaturen um 15 °C, auf den Zweigen und vor allem auf dem Bodengrund umher.

Kurz nachdem die Tiere sich eingelebt hatten, d.h. zur Ruhe gekommen waren, wurden ihnen kleine nackte Mäuse als Futter angeboten. Die Schlangen beachteten diese aber überhaupt nicht Auch anfängliche Versuche mit Regenwürmer und Nacktschnecken scheiterten zunächst. Bei einem anderen Terrarianer hingegen hatten einige Athens hispida zeitweise Schnecken und Regenwürmer gefressen. Ich griff daher zu einem alten Giftschlangenhaltertrick.
Die Schlangen wurden mit toten, nackten Mäusen so lange geärgert, bis sie in das Futtertier bissen. Fünf der sieben von mir gehaltenen Schlangen taten dies auch. Nach dem Zubiss verschlangen die Buschvipern die Maus auf eine, vor allem bei Giftschlangen, ungewöhnliche Art. Die Tiere warteten die Giftwirkung überhaupt nicht ab, sondern „saugten" das Beutetier durch Kaubewegungen in unglaublicher Geschwindigkeit in sich hinein, wie auch schon von MEIDINGER (2000) beobachtet. Zwei Schlangen waren absolut nicht zu einem Biss zu bewegen. Diese Tiere wurden zwangsgefüttert. Nach dem Fixieren des Kopfes wurde ihnen mit der toten Maus das Maul geöffnet und das Futtertier ein Stück in den Rachen geschoben.
 
 
Die Schlangen wurden dann losgelassen und verschlangen daraufhin die Maus wie vorher beschrieben selbstständig. Die Fütterung der sieben Schlangen erfolgte so wöchentlich. Verdaut wurden die Mäuse gut, allerdings setzten sie sehr kleine schwarze Kotklumpen und auffallend häufig und viel Harnsäure ab. Bei dieser Haltung und Fütterung verstarben aber bis zum April 2002 nach und nach vier Tiere.Im September 2002 reagierte plötzlich ein Weibchen nachts auf eine Fingerbewegung außerhalb des Terrariums. Die Schlange verfolgte die Bewegung und züngelte aufgeregt.
Die sofort vorgehaltene Maus wurde aber nicht beachtet, wohl aber ein großer Tauwurm, der sehr schnell verfolgt wurde. Die Schlange biss zu und verschlang den Wurm blitzartig mit sehr schnellen Kaubewegungen (Abb. 3 und 4). Auch den beiden anderen noch lebenden Schlangen, einem Männchen und einem Weibchen, wurde ab sofort nachts ein Tauwurm angeboten. Diese Schlangen fraßen nun ebenfalls ab September 2002 regelmäßig ein bis zweimal wöchentlich gierig Tauwürmer. Die Verdauung änderte sich: die Kothaufen wurden größer und kompakter, Harnsäure wurde seltener abgesetzt.

Sahen die Schlangen bis zum September 2002 immer etwas dünn und auch leicht exsikkotisch (ausgetrocknet) aus, änderte sich das nun. Alle drei noch lebenden Tiere wirkten dicker und praller. Auch die Häutung, die zuvor alle vier bis fünf Monate erfolgt war, verlief ab diesem Zeitpunkt problemlos. Zuvor musste häufig nach- und mitgeholfen werden. Die Schlangen wurden dazu vor oder bei der Häutung, die im übrigen nur nachts erfolgte, durch direktes Besprühen feuchter gehalten. Auch musste zeitweise die alte Haut noch manuell abgezogen werden. Seit der regelmäßigen Tauwurmfütterung war dies nicht mehr nötig. Schnecken habe ich bisher noch nicht angeboten. Sind doch die schneckenfressenden Tiere eines bekannten Terrarianers alle nach und nach gestorben.

Ergebnisse und Diskussion:
Athens hispida scheint bei entsprechender Haltung doch im Terrarium pflegbar zu sein. So hat sich eine deutliche Tag-Nacht-Temperaturdifferenz sowie eine nächtliche Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bewährt. Tagsüber sollten die Schlangen aber die Möglichkeit haben, ihre Körpertemperatur auf ca. 27 °C zu bringen. Im Biotop können sie dies ja auch, indem sie sich in den Büschen, auf denen sie leben, der Sonne zumindest zeitweise exponieren.
Zum natürlichen Futterspektrum von Athens hispida gehören mit Sicherheit (wahrscheinlich unter anderem) Regen- bzw. Tauwürmer. In ihrem natürlichen Habitat werden die Schlangen bei ihren nächtlichen Ausflügen auf dem Boden auch auf solche treffen. Mäuse, Eidechsen, Frösche und Vögel, wie in der Literatur angegeben (SPAWLS & BRANCH 1995, TRUTNAU 1998), werden dagegen unter natürlicher Gegebenheit von dieser Atheris-Art sicherlich nicht als Futter angenommen. Vielmehr spricht schon das eigenartige Fressverhalten für die Aufnahme von Würmern und Schnecken. Hierzu muss die Schlange dieses Futter sehr schnell in den Rachen kauen, damit die schleimige Beute nicht entkommen kann. Wofür dann aber der, wie bei allen Vipern, vorhandene Giftapparat gut sein soll, ist in diesem speziellen Falle unklar.
Dass meine Tiere nicht sofort die angebotenen Würmer annahmen, lag wahrscheinlich nur daran, dass sie eine längere Eingewöhnungszeit benötigt hätten.
Danksagung:
Ich möchte mich bei Dr. Jürgen Fleck bedanken, welcher mir Material (sämtliche Bilder sowie seinen Bericht von Atheris hispida) zur Verfügung gestellt hat.
Bilder & Text © by J. Fleck
Text und Bilder aus der Fachzeitschrift elaphe vom 20.Mai 2003.