Schlangengift

 

Chemisch gesehen bestehen Schlangengifte zu über 90-95% aus Proteinen und Polypeptiden und daneben noch einigen Enzymen. Die toxischen Proteine (Toxine) sind meist sehr groß und komplex. Hydrolytischen Enzyme spielen eine wichtige Rolle für die Verdauung. Das Gift wird aber nicht nur zum Beuteerwerb genutzt sondern auch zur Verteidigung. Einige Arten haben diesen Nutzen des Giftes noch erweitert. Arten wie Naja pallida, Naja nigricollis, Naja mossambica und Hemachatus haemachatus sind in der Lage ihr Gift zielsicher in Richtung des Feindes zu speien.


Atherinigift:

Die Gifte von Atherini sind kaum bis gar nicht erforscht. Viele Terrarianer pflegen Taxa der Gattungen Atheris und Proatheris (Adenorhinos und Montatheris sind in der Gefangenschaft unbekannt) weil diese Schlangen als mild giftig beschrieben werden oder das deren Bisse nicht lebensbedrohlich sind. Das ist einfach nicht wahr. Es gibt leider nur spärliche Literatur bezüglich Atherini Vergiftungen aber alle Atherini Arten sind zu tödlichen Bissen fähig.

Gegen das Hämotoxinen von Atherini ist kein spez. Antivenin verfügbar. Die Substitutionstherapie* ist bei einer lebensbedrohlichen Gerinnungsstörung eine mögliche Behandlungsmethode. Es wird behauptet, dass eine Behandlung mit einem polyvalentem Antivenom gegen Schlangen wie z.b. Echis helfen kann. Diese Aussage möchte ich aber werde bestätigen noch als gänzlich falsch hinstellen.

*Substitutionstherapien sind Behandlungen, die darauf abzielen, einen Mangel an üblicherweise einem Organismus zur Verfügung stehenden Substanzen durch deren künstliche Zufuhr zu beheben.


Atherisgift:

Durch Atheris verurschate Bisse sind bereits dokumentiert worden. Mindestens ein Fall ist tödliche verlaufen. SPAWLS & BRANCH berichten über diesen Unfall, bei dem ein gesunder Mann von A. squamigera gebissen wurde.

1996 wurde ein Terrarianer durch Atheris nitschei, beim hantieren mit der Viper, gebissen und erfuhr einen äußerst ernsten medizinischen Notfall, ähnlich dem Bissunfall von Proatheris superciliaris, welcher unten beschrieben wird.

Im selben Jahr wurde ein Zootierpfleger von einer Atheris chlorechis in ein Fingerglied gebissen und erfuhr eine wesendlich leichtere Vergiftung.

Doch MARK-OLIVER RÖDEL erführ 1999 keine so glimpfliche Vergiftung durch Atheris chlorechis. Bei Feldarbeiten im Tai-Nationalpark (Elfenbeinküste) am 8.5.1999 wurde er von einer ca. 60 cm langen A. chlorechis in den linken Zeigefingers gebissen.

Die, durch den Biss hervorgerufenen Schmerzen, wurden permanent stärker, beschränkten sich aber auf den Zeigefinger. Die Schmerzen erstreckten sich später auch über den Handrücken und strahlten in den Daumen. Handrücken und Zeigefinger waren leicht angeschwollen, der Zeigefinger stark gerötet.
Gegen die extrem starken Schmerzen wurde Valeron® verabreicht.

Am folgenden Morgen waren die Finger und der Handrücken stark angeschwollen. Der Zeigefinger selbst war extrem verdickt und in großen Teilen von einer schwarzen, blutgefüllten Blase, die sich ventral von der Bissstelle zur Fingerspitze erstreckte, bedeckt. Die noch starken Schmerzen dehnten sich über den Zeigefinger, Handrücken und Unterarm aus. Im Unterarm entwickelte sich derweil ein großes Ödem. Es schwoll stetig an und war am 12. Mai schließlich so dick, dass Knochen nicht mehr ertastet werden konnten. Aus der Blutblase am Finger tropfte permanent Flüssigkeit.

Unter der Blutblasse bildeten sich größere nekrotische Areale. Bis zum 2. Juni waren die Nekrosen soweit eingetrocknet und vom gesunden Gewebe abgesetzt, dass sie unter spinaler Betäubung abgetragen werden konnten. Sie erstreckten sich bis zum Knochen.

Vier Monate nach dem Unfall war die Beweglichkeit des Zeigefingers fast wieder hergestellt. Das vorderste Gelenk erhielt jedoch seine volle Beweglichkeit nicht mehr zurück.

Denn kompletten Bericht dieses Bisses kann der Zeitschrift herpetofauna (Nr. 123) entnommen werden. Dort sind auch Bildern der unterschiedlichen Wundstadien zu sehen.


Proatherisgift:

Am 24. August 1996 wurde ein Halter von einer 48cm langen Proatheris superciliaris in den linken Zeigefinger gebissen. Der Unfall ereignete sich während der regelmäßigen Arbeiten des Terrariums. Es traten sofort starke Schmerzen in der Hand auf. Das Bissopfer verglich die Schmerzen mit kochendem Öl welches auf die Haut gelangte.

Während der nächsten zwei Stunden bildeten sich Nekrosen und Ekchymosen (purpurrote Verfärbung, verursacht durch das Blut das ins subkutane Gewebe fließt). Morphium, welches gegen die Schmerzen verabreicht wurde, hatte kein Erfolg. Während der nächsten zwei Tage griff das Gift die roten Blutkörpechen an, wodurch auch die Funktionen der Leber und der Nieren beeinträchtig wurden. Sein Körper wurde gelb infolge der Gelbsucht. Glücklicher Weise überlebte diese Person den Unfall.

Seine Genesung dauerte allerdings sechs Monate. Der Mann erlitt eine dauerhafte Entstellung seines linken Zeigefingers. Zudem besitzt der Finger nur noch eine reduzierte Beweglichkeit. Zitat des Mannes: Ich schulde jenen Männern (die Ärzte) mein Leben ... eine sehr schreckliche Vergiftung für eine "mild" giftige Viper.

Trutnau berichtet über das Gift von Proatheris folgendes: „In der einschlägigen Literatur wird die Zusammensetzung und die Toxizität des Giftes von Proatheris superciliaris als unbekannt beschrieben. Die wenigen bekannten Bisse betrafen ausschließlich Amateurherpetologen.

Die Folgen dieser Bisse waren sofort einsetzende Schmerzen und unbedeutende Schwellungen mit Blasenbildungen an den Bissstellen. Auf eine Allgemeinbehandlung hin traten keine Komplikationen auf. Allerdings scheint man noch wenig Erfahrung mit den Folgen von Giftbissen dieser Viper zu haben.

Das Gift scheint eine ähnliche Wirkungsweise wie das er Echis-Arten zu haben. Ein Terrarianer, der von einem Jungtier nicht gebissen, sondern nur mit einem Zahn an einem Finger leicht geritzt wurde, überlebte knapp.

Diese Tatsache deutet an, dass das Gift der kleinen Viper ausgesprochen potent ist und ein Biss unter ungünstigen Umständen einen tödlichen Ausgang nehmen kann. Somit ist im Umgang mit den Schlangen größte Vorsicht angezeigt.“


Montatherisgift:

Wie oben erwähnt sind (mir zumindest) keine Adenorhinos- und Montatheris-Halter bekannt. Auch sind keine Fälle von Bissen registriert worden. Jedoch werden Bissen durch die kleinen Verbreitungsgebiete kaum vorkommen.


 

mögliche Symptome bei einem Biss von Atherini Arten

  • Schwitzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • starker Schmerz an der Bissstelle
  • oft massive Schwellung der Extremität
  • lokale Nekrose (absterben von Gewebe)
  • regionale Lymphadenopathie (Erkrankungen der Lymphknoten)
  • Verbrauchskoagulopathie (Gerinnungsstörung)
  • Hypoämie (verminderte Durchblutung eines Gewebes bzw. Organs)
  • Hämatemesis (Erbrechen von Blut oder Blutbestandteilen)
  • 5 min. nach Biss Bewusstlosigkeit und Kreislaufschock möglich

Anmerkung:

Ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Seite.